Postfuhramt aktuell
Hintergründe zum Verkauf des Postfuhramtes, Teil 2
Das Märchen vom Kunstmäzen
"Es war einmal ...", so begannen früher Märchen. Heutige Märchen handeln von Investoren, Visionen, dem Postfuhramt und seiner zukünftigen Nutzung. Ein Ort der Kunst, des Handels, von Events, wohnen und Freizeit. Oder auch nicht, da über ein Konzept angeblich noch nicht entschieden sei.
Das Postfuhramt ist seit dem 8. Juli 2005 verkauft. Noch am 8.Juni 2006 vermeldete die Berliner Morgenpost, dass der Investor "nicht genannt werden möchte". Ungewöhnlich für einen Investor, zumal er bereits im 3. Quartalsbericht 2005 unter Punkt 5.16 von seinen Taten kündete (siehe auch News vom 27.2.2006).
Beim Pressegespräch zur Eröffnung der Ausstellung "Abfiff! Faces of Football" am 8. Juni 2006 im Kuppelsaal des Postfuhramtes, versuchte der Geschäftsführer der "Postfuhramt Oranienburger Str. GmbH", Rabin Savion, als Vertreter der Investoren, den Fragen nach dem Eigentümer auszuweichen. Er beschrieb ihn als einen visionären und kunstinteressierten Menschen, der Immobilien auf der ganzen Welt besäße. Auf intensives Nachfragen ließ er sich dann doch einen Namen entlocken: Adi Keizman.
Warum diese Geheimniskrämerei und wer ist dieser "international bedeutende Investor"? Weder msn noch yahoo finden hierzu eine Antwort. Nur im google Cache verbirgt sich eine versteckte Information der Jerusalem Post vom 15. September 2004 zu einem Adi Keizman, welcher einmal einen Verlobungsring verschenkt haben soll. Gibt es ihn also wirklich?
Fest steht, wie nun im 4. Quartalsbericht 2005 unter Punkt 2.2.2 der Shrem Fudim Kelner & Co. Ltd. nachzulesen ist, dass eine Privatperson 20% der Anteile an der "deutschen Gesellschaft" hält, die das Postfuhramt erworben hat. Käufer am 8. Juli 2005 war die Emserstr. 88 GmbH, die seit dem 28.10.2005 unter "Postfuhramt Oranienburger Str. GmbH" (HRB 95710) firmiert.
Die weiteren 80% Anteile an der "deutschen Gesellschaft" werden von einer "ausländischen Gesellschaft" gehalten, an der die Leader Holdings and Investments Ltd. ("Leader") 40% der Kapitalrechte und, gemäß der Investitionsvereinbarung vom 5. November 2005, 50% der Stimmrechte besitzt. Demnach müsste es sich bei der "deutschen Gesellschaft" eigentlich um eine GmbH & Co. KG handeln, da die "ausländische Gesellschaft" als Kapitalgesellschaft beschrieben wird.
Zweiter Anteilseigner an der "ausländischen Gesellschaft" ist eine von einem unabhängigen Dritten gehaltene "Österreichische Gesellschaft".
Laut 4. Quartalsbericht wurde der Kauf im Interesse von "Leader", einem Tochterunternehmen der Shrem Fudim Kelner & Co. Ltd., zusammen mit Geschäftspartnern und der "deutschen Tochtergesellschaft" abgewickelt. "Leader" ist indirekt mit 32% an den Rechten und Einkünften der Liegenschaft beteiligt.
Ein Teil des Kaufs des Postfuhramtes wurde durch ein Mezzanindarlehen in Höhe von 2 Millionen Euro finanziert und am 7. November 2005 durch die "deutsche Gesellschaft" an den Verkäufer der Liegenschaft gezahlt. Darlehensgeber war eine "Kommanditgesellschaft", welche partnerschaftlich mit der Wing Overseas Real Estate Investments Ltd., einer Tochter der Shrem Fudim Kelner & Co. Ltd., verbunden ist.
Mezzaninkapital wird in wirtschaftlicher Betrachtungsweise dem Eigenkapital zugerechnet, wobei der Mezzaningeber auf die Sicherung des Kapitals sowie Mitsprache- und Stimmrechte verzichtet.
Die mezzaningebenden Kommanditisten vereinbarten mit der "deutschen Gesellschaft" für den Fall der Veräußerung des Postfuhramtes, sollte solch ein Verkauf stattfinden, und an den sonstigen Gewinnen, eine Gewinnbeteiligung zuzüglich Provision.
"Leader" wiederum finanzierte und beteiligte sich am Kauf des Postfuhramtes zusätzlich mit einem Bankdarlehen in Höhe von 4 Millionen Euro, welches selbstfinanziert sein soll.
Es bleibt abzuwarten, wie die Zukunft des Postfuhramtes tatsächlich aussieht. Kolja Reichert vermutete am 11.06.2006 im Tagesspiegel, dass "wenn das Postfuhramt kulturell aufgewertet ist, die Vermutung groß sei, es kommerziell weiter zu verwerten." Im Moment deutet vieles darauf hin.
Hintergründe zum Verkauf des Postfuhramtes, Teil 1
(Stand: 12. Juni 2006)
weitere Meldungen