Postfuhramt Berlin
Architektur
Nach einem Entwurf von Carl Schwatlo errichtete, zwischen 1875 und 1881, Postbaurat Wilhelm Tuckermann das Postfuhramt als imposantes dreigeschossiges Eckgebäude mit markantem, achteckigen Kuppelbau. Das zweiachsige Hauptgebäude beherbergte neben dem Postfuhramt noch das Annahme-Postamt 24, die Paketausgabe des gegenüberliegenden Paketpostamtes, eine Rohrpostmaschinenstelle, Teile des Fernsprechamtes 3, Unterrichtsräume der Post- und Telegrafenschule, sowie mehrere Dienstwohnungen.
Ursache des Neubaus auf dem Grundstück des ehemaligen Postilliongebäudes, war der Wunsch nach Verbesserung der betrieblichen Verhältnisse, da der anwachsende Postverkehr eine höhere Anzahl an Pferden benötigte. Die vorhandenen, baufälligen und gesundheitswidrigen Ställe führten jedoch im März 1874 zu erheblichen, krankheitsbedingten Verlusten des Pferdebestandes. Zunächst entstanden daher im Hof zwei zweigeschossige Pferdeställe zur Unterbringung von bis zu 240 Pferden, wobei die unteren Ställe in das Erdreich eingelassen und die oberen Ställe über Rampen erreichbar waren.
Die straßenseitige Fassade des Postfuhramtes wurde mit gelben und roten Ziegel verblendet. Zusätzlich schmücken Formsteine und Terracotta die Fernsterverkleidungen, Gesimse und Beiwerke. Zwölf, von Blattwerk und Früchten umgebene, pausbackige Putten versinnbildlichen den Postbetrieb. Im Erdgeschoß, zwischen den Rundbögen der Fenstereinfassungen, befinden sich heute 25 Porträts (ein Porträt wurde im Krieg vernichtet) von Persönlichkeiten, die sich Verdienste für das Post- und Telegrafenwesen erworben haben.
Der Haupteingang, an der Ecke Oranienburger und Tucholsky Str., wird durch seine imposante Bogenöffnung bestimmt. Hier befand sich, unter der mächtigen runden Kuppel mit ihrer Kassettendecke, die frühere Schalterhalle des Annahme-Postamtes 24. Zur Vermeidung von Zugluft erfolgte 1937/38 der Einbau einer Zwischendecke zwischen Erd- und erstem Geschoß, welche dem Gebäudeteil bis heute viel von seiner Wirkung nimmt.